Gerade wurde die Heizung wieder auf die eher für März obligatorische “3” gestellt. Hamburg Mitte August bedeutet 2011 konstanter Regen, viel Wind und 10°C. Obwohl ein Rotwein aus dem Eichenfass sicher angebrachter wäre, habe ich im Hinblick auf bessere Restsommertage mich der wohl wichtigsten deutschen Rebsorte gewidmet – dem Riesling. Ich nahm mir sechs Kandidaten aus dem unteren Preissegment vor, auf der Suche nach dem Besten für den schmalen Geldbeutel.

Kernprodukte dieses Testberichts sind Rieslinge, für die man sich vor dem Einkaufsregal etwas weiter nach unten bücken muss um ranzukommen – meist angeboten im 1 Liter Humpen, abgefüllt von irgendeiner GmbH oder einer Großgenossenschaft. Auch wenn ich aus meiner Erinnerung dem 1 Liter Anonymrieslingen früher öfters als heute im Supermarkt begegnet bin, findet sich, wie erwartet, fast überall ein solches Produkt im Budget-Bereich von locker unter fünf Euro. Der kostenintensivste Proband liegt preislich bei knapp vier Euro.
Kurze Definition zur Königin der Weißweine: Nach meinem Weinlexikon ist der erste Existenznachweis in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Wachau erbracht worden, Wikipedia weisst auf das Rheintal im 14. Jahrhundert hin. Die Rieslingrebe ist also eine so genannte autochthone oder indigene Rebsorte in Deutschland, d.h. der evolutionäre Ursprung der Art ist in Deutschland zu finden. Der Riesling ist eine Mehrfachkreuzung aus der Rebsorte Heunisch, Traminer und einer weiteren autochthonen Rebe der Rheingegend.
Riesling ist die in Deutschland am meisten bewirtschaftete Rebsorte und findet sich in fast allen Ausbauweisen. Da Riesling unter stark diversifizierten Bedingungen an-und ausgebaut wird, ergibt sich kein klar definierbares Aromenbild: Aromen von Granny Smith Apfel bis Zuckermais können ebenso mit Rieslingen assoziiert werden, wie eine volle Tropik und zitronige Säure. Allerdings ist eine Besonderheit bei fortgeschrittener Lagerung identifizierbar: Der Geruch von Petroleum.
Viele Deutsche Spitzenlagen sind ausschließlich mit Riesling bewachsen, diese Priorisierung ist international wohl bekannt und geschätzt:
An ode to Riesling:
With your acid, length and line;
With your flavours of citrus: lemon & lime;
Oh Riesling what you mean to me;
Perfectly refreshing summery.
Dass diese Ode nicht an alle Flaschen, gerade im Budgetsegment, gerichtet ist, leuchtet natürlich ein. Die Jungs von thewinewankers.com befassen sich auch eher mit Weinen aus dem Segment des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), ich jedoch, mit einem überschaubaren Budget von vier Euro, verorte meine Erwartungshaltung fairerweise erstmal bei “trinkbar”. Und damit komme ich zur Kernfrage dieses Beitrags: Welchen Riesling soll man für kleines Geld kaufen (oder lieber stehen lassen und das Geld in nen Sixpack Bier investieren)? Die Verkostungsnotizen sind wie immer auf den “Details” verlinkt.
1. Rheinberg Kellerrei GmbH Pfalz Riesling trocken, Edeka:
Eine typischer Wein vom Großabfüller, kommt im 1 Liter Humpen. Die Rheinberg Kellerrei ist der zweitgrößte Weinabfüller in Deutschland. Der Produzentensitz dieses Pfälzer Produktes ist Bingen am Rhein, was bekannter Weise im Weinanbaugebiet Rheingau liegt. Details lesen «
2. Rheinhessen Riesling, Netto (?):
Keine Details bekannt. Details lesen «
3. Weinfels, Zimmermann-Graeff & Müller GmbH & Co. KG Riesling, Penny:
Mit stolzem “DLG Prämiert” Etikett, was auch immer das bedeutet. Details lesen «
4. Heinrich Lorch GmbH Riesling, Real:
Heinrich Lorch GmbH ist ein Unternehmen der ZGM, was für Zimmermann-Graeff & Müller GmbH & Co. KG steht. Schaut man sich auf der ZGM Website kurz um, bemerkt man, dass man hier mit wahnsinnig großen Kontingenten aus der ganzen Welt jongliert. Die Personen auf dem Firmenportrait wirken auf mich wie glückliche Banker. Details lesen «
5. Felsenkeller Besigheim GmbH Riesling, Lidl:
Schnell war festzustellen, dass der Wein eine ordentliche Ladung Restzucker geladen hat (”lieblich”), was die Vergleichbarkeit gegenüber den anderen, trocken ausgebauten Rieslingen leider in Frage stellt. Details lesen «
6. Saborondo Organics Riesling, Weinfachhandel:
Gekauft wurde der Wein in einem recht authentischen französischen Steh-Bistro mit ausgeprägter Weinecke. Könnte man Fachhandel nennen. Auf jeden Fall war Fachpersonal vorhanden, was die Weine kannte und mich beraten konnte. Was die Beschaffung angeht, bedarf es beim Sobrondo Organics Riesling leider etwas Organisation. Eigenartig ist, dass er im Sobrondo Online Shop viel mehr kostet als im Laden, nämlich das Doppelte. Details lesen «
Fazit: Der Sobrando Organics Riesling ist der einzige Kandidat, der wirklich gut trinkbar ist. Würde ich wieder kaufen und ist meiner Meinung nach empfehlenswert. Akzeptabel wären unter Umständen noch der Riesling der Lorch GmbH und der Weinfels Riesling. Der Rest ist nur für den Tisch mit Leuten geeignet, die man nicht besonders leiden kann.
Im großen Ganzen bin ich über die hier getestete Auswahl der Budget-Angebote etwas enttäuscht und ich hatte mehr erwartet, da es sich hier immerhin um DIE Deutsche Rebe handelt. Also tendenziell Finger weg vom 1 Liter Discount Riesling ohne spezifische Herkunftsbezeichnung. Falls man doch nur ganz wenig Geld für einen Riesling ausgeben möchte, dann bitte mit ordentlich Restzucker (lieblich) kaufen. Mit Fruchtzucker geölt geht es dann wenigstens gut runter.
Cheers,
Stephan
Fast obligatorisch gehört ein sensationell günstiger Gran Reserva oder Reserva Wein aus Spanien ins Verkaufsregal eines jeden Supermarktes. Mit einem Budget von drei (!) Euro pro Flasche ausgerüstet haben wir diese Woche insgesamt fünf bekannte Lebensmitteleinzelhändler aufgesucht und wurden wie erwartet immer fündig.

Kurzes zur Definition: Die Bezeichnung Reserva und Gran Reserva bei Rotweinerzeugnissen aus Spanien beschreibt die Mindestlagerzeit eines Weines. Reserva Weine müssen nach Gesetz drei Jahre insgesamt und davon mindestens 12 Monate im Eichenholzfass gelagert sein bevor sie für den Handel freigestellt sind. Gran Reserva Weine müssen sogar eine Reifezeit von insgesamt fünf Jahren und davon mindestens 24 Monate im Eichenholzfass aufweisen bevor sie für uns erhältlich sind.
Praktisch heisst das, dass ein spanischer Weinproduzent mit einem Reserva nach Anbau-, Pflege- und Erntezeit noch mindestens drei Jahre beschäftigt ist, bevor seine Arbeit entlohnt wird. Auf die Honorierung muss er bei einem Gran Reserva noch mal zwei Jahre länger warten. Mit der Pflege und Ernte zusammen sind das im Endeffekt mindestens netto 5,5 Jahre Beschäftigung. Das Ganze ist dann bei uns im nächsten Lidl für 2,99 Euro zu kaufen. Die zentrale Frage dieses Textes ergibt sich sofort: Kann bei diesem Preis überhaupt noch was Vernünftiges bei rauskommen ? – Wir haben 5 Kandidaten getestet.
Baturrica Tarragona Gran Reserva 2004 – Lidl GmbH & Co. KG – Im Standardsortiment für 2,99 Euro – Komposition aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Der Baturrica Gran Reserva steht im Ranking “Top 10 Supermarket Wines” der englischen Zeitung The Telegraph auf Platz 1. Der Wein ist dort für 4,49 Pfund pro Flasche im Lidl Market erhältlich. Details lesen «
Castillo de Tornos Gran Reserva 2004 – Penny-Markt GmbH – Im Standardsortiment für 2,99 Euro – Aus Tempranillo und Garnacha. Keine weiteren Infos. Details lesen «
Los Royales Reserva 2007 – Aldi GmbH & Co. oHG – Im Standardsortiment für 2,29 Euro – Aus 100% Tempranillo. Der Los Royales wird im Fit for Fun Magazin Artikel “Gute und günstige Weine in Ihrem Supermarkt” vom Sommelier Markus del Monego erwähnt. Details lesen «
Marques de Carano Gran Reserva 2003 – Netto Marken-Discount A.G. – Im Standardsortiment für 2,99 Euro – 100% Tempranillo. Dieser Wein ist durchgängig gut bewertet und kostet in England um die 10 Pfund pro Flasche. Details lesen «
Valtier Reserva 2004 – Edeka A.G. & Co. KG Details Lesen – Im Standardsortiment für 2,99 Euro – Aus Tempranillo und Bobal. Keine weiteren Infos. Details lesen «
Da bei allen Probanden bei dieser Preisklasse die Erwartungshaltung recht niedrig war, kann man vorweg rein technisch nicht von Enttäuschungen sprechen. Das Ergebnis der Runde ist, dass zwei Kandidaten zum besten Low-Budget Spanienwein eindeutig favorisiert werden konnten, von einem abgeraten werden muss und der Rest O.K., also keine Geldverschwendung ist.
Die Nominierungen Marques de Carano Gran Reserva (Ranking 1.) vom Netto und der im Edeka erhältliche Valtier Reserva (Ranking 2.) sind in diesem Test eindeutig die Sieger und damit empfehlenswert. Dabei wurden der Los Royales Reserva (Ranking 3.) erhältlich im Aldi-Nord und Baturrica Tarragona Gran Reserva vom Lidl (Ranking 4.) als trinkbar bewertet. Der Castillo de Tornos Gran Reserva (Ranking 5.) vom Penny-Markt wurde kollektiv als nicht empfehlenswert eingestuft.
Insgesamt kann man bei der Frage der Trinkbarkeit bei den getesteten spanischen Erzeugnissen von einem überraschend positiven Resultat sprechen: Es wurde vorher angenommen, dass die Anzahl der Nieten bei diesem Einkauf höher liegt.
Stephan
Von neuem auf Streifzug durch die Regale des Einzelhandels – denn besondere Tage verlangen besondere Weine. Über die Schnäppchenzeit vor Anbruch der Etappe 2011.

Draussen weihnachtet es mal wieder recht ordentlich, dieses Jahr sogar ganz in weiss. Heute, am Samstag eine Woche vor den Weihnachtstagen, habe ich mich auf die Mönckebergstrasse in Hamburg getraut: Ich fand die Innenstadtzone komplett abgeriegelt. Sogar die Linienbusse mussten dem Verlauf der neuen Weihnachtsparade nach amerikanischem Stil weichen. So hatte ich die Stadt noch nie erlebt, man musste vor Weihnachtsstimmung förmlich in Deckung gehen, um keine Überdosis abzubekommen.
Besinnen wir uns lieber auf das für uns Wichtige: die Angebote der Supermärkte speziell zur Weihnachtszeit. Dieses Jahr sprang mir die Betitelung “Wein des Monats Dezember” aber nicht augenscheinlich ins Gesicht, man musste sich tatsächlich auf die Suche begeben. Unterwegs durch viele Supermärkte und Discounter fand ich oft ein preislich sehr gutes aber auch diffuses Angebot. Bei Aldi-Nord zum Beispiel habe ich heute einen Barolo für 6,49 €, einen Pouilly Fumé für 7,99€ und einen Chateau-neuf-du-Pape für sensationelle 8,99 € gekauft. Ähnlich wie hier im örtlichen Lidl sind die Weine leider nicht besonders ausgeschrieben, sondern sind einfach da. Bei meinem Rewe und Edeka fand ich dieses Jahr gar kein Angebot, das im Entferntesten auf die Feiertage abzielen könnte. Mittels Google fand ich heraus, dass es von beiden Anbietern zwar Angebote gibt, doch sind diese regional bzw. lokal verankert, unterschiedlich ausgeprägt und damit uninteressant. Enttäuschend fand ich dieses Jahr was ich bei meinen Discountern um die Ecke, Netto und Penny als Wein des Monats vorfand. Den Aspirant aus dem Netto gibt es ohnehin in jeder Tankstelle zu kaufen und dabei preislich auch wenig spannend. Beim Penny ist ganz kreativ der Wein vom Vorjahr wieder als diesjährige Weihnachtsempfehlung aufgetaucht.
Positiv überraschen lassen konnte man sich vom Wein des Monats aus dem Norma Markt und Karstadts Lebensmittelabteilung Perfetto. Mehr gibt es hierzu in unserer Detailansicht. Die Weine des Monats Dezember 2010:
Baron Phillip de Rothschild – Bordeaux
Wein des Monats Netto Lebensmittelmarkt: Wenn ich mich recht erinnere, gibt es diesen Wein ohnehin schon als Standard im Sortiment. Wenn nicht, kann ich Ihn trotzdem fast in jeder 24 Std. Araltankstelle kaufen. Beim Blick zur Preistafel stelle ich fest, dass er auch preislich nicht erwähnenswert wäre. 4,99 € bezahle ich auch woanders dafür. Der Wein schmeckt akzeptabel, aber die Sache ist insgesamt recht unspannend. » Mehr erfahren
Chateau La Raze Beauvallet
Wein des Monats Karstadt – Perfetto: Ich fragte den von Karstadt Perfetto ernannten Weinberater nach dem Wein des Monats und bekam ein Achselzucken als Antwort. Dabei hatte ich mich vorab auf der Website von Karstadts Perfetto über die als Wein des Monats offiziell ausgeschriebene Flasche informiert. Ich bekam dann als weitere Erklärung, dass mein Informationsstand sich nur auf das Karstadt-Online Angebot beschränke. Das Sortiment sei angeblich nicht mit dem Sortiment der “realen” Filiale vergleichbar. Unzufrieden krame ich meinen Notizblock aus der vollen Einkaufstasche heraus und begebe mich analog auf die Suche. Ca. 60 Sekunden später stehe an der Kasse mit dem Wein des Monats und bezahle 5,99 € für meinen Chateau La Raze Beauvallet Cru Bourgeois. Doch alles Perfetto. » Mehr erfahren
Bodegas Latúe Pingorote Crianza
Wein des Monats Norma Markt: Zwischen den anderen sensationellen von Robert Parker, Gambero Rosso, Mundus Vini etc. prämierten Kracherangeboten, fand ich den Latúe Bodegas Pingorote Crianza als Wein des Monats plakatiert. Als zweifacher Medaillengewinner (Gran Selección Spanien und Mundus Vini) und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis (3,99 €), ist er die Trophäe auf der diesjährigen Schnäppchensafari. » Mehr erfahren
Les Moirets Cote du Rhone
Wein des Monats Penny Markt: Viel hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht getan. Wie bereits erwähnt, ist dieser Wein bereits im Vorjahr schon als Wein des Monats Dezember aufgestellt worden. Das stellt den Wein an sich nicht schlechter da, den Penny Markt allerdings schon. » Mehr erfahren
Als Ergebnis stellen wir folgende Platzierung mit Bewertung auf:
Platz 1 – Bodegas Latúe Pingorote Crianza – Sehr empfehlenswert
Platz 2 – Les Moirets Cote du Rhone – Empfehlenswert
Platz 3 – Chateau La Raze Beauvallet – Empfehlenswert
Platz 4 – Baron Philippe de Rothschild – Befriedigend
Leider sind aktuell bei vielen Einzelhändler unter dem Titel keine Kandidaten ins Rennen geschickt worden. Bis auf die Entdeckung des Latúe Pingorote sind die restlichen Nominierungen eher etwas für den Alltag. Der Les Moirets ist eigentlich auch eine solide Wahl, aber wie bereits erwähnt, eine Wiederholung.Für nächstes Jahr haben wir uns bereits vorgenommen den Suchradius um Versandhandelangebote und Spezialisten-empfehlungen zu erweitern. Auf dem Zettel vorgemerkt stehen dafür schon die Weine der Woche vom prominenten TVino.de/Hendrik Thoma und der Wein des Monats von Stuart Pigott.
Leider sind aktuell bei vielen Einzelhändlern unter dem Titel “Wein des Monats” keine Kandidaten ins Rennen geschickt worden. Bis auf die Entdeckung des Latúe Pingorote sind die restlichen Nominierungen eher etwas für den Alltag. Der Les Moirets ist eigentlich auch eine solide und vor allem sehr preiswerte Wahl, aber wie bereits erwähnt, eine Wiederholung.
Für nächstes Jahr haben wir uns bereits vorgenommen den Suchradius um Versandhandelangebote und Spezialisten-Empfehlungen zu erweitern. Auf dem Zettel vorgemerkt stehen dafür schon die Weine der Woche vom prominenten TVino.de/ Hendrik Thoma und der Wein des Monats von Stuart Pigott.
Zu guter Letzt wünscht das Rexvini-Team allen Lesern noch eine frohe Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!
Stephan
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